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July 05 2010

sebaso

Nichtraucherschutz in Kneipen durch positive Anreize schaffen

23 % der bayrischen Wahlberechtigten stimmen für das absolute Rauchverbot, und der Sprecher der Aktionsbündnisses wird bei Spiegel zitiert mit "Dass wir so klar gewinnen, hat uns alle schon ein bisschen überrascht. Wir sind wahnsinnig stolz auf das bayerische Volk", sagte Frankenberger. (Der in der ÖDP aktiv ist.) 

Über Twitter laufen haufenweise Statements pro (stellvertretend http://343max.de/2010/07/05/liebe-raucher-ihr-stinkt/ ) und wenige contra (stellvertretend http://www.qlod.org/weltfrieden/?p=1443 ) das absolute Rauchverbot. 

Die Grünen Bayern jubeln darüber, dass sie mit ihrer Unterstützung des Aktionsbündnisses CSUFDP eins ausgewischt haben.

Um meine Twittertimeline zu entlasten, mal meine 2 cent dazu hierher ausgelagert:
1. Ich halte es für falsch, dass sich der Staat dort einmischt. Kneipen kann ich wahlweise betreten, ich muss dort auch nicht arbeiten.

2. Ich habe nichts gegen Rauchverbote an Orten, die Menschen zwangsweise aufsuchen müssen und zu denen es keine echte, einfache Alternative gibt (wie zB Verwaltungen etc). Auch wenn es hier die einfache Möglichkeit gäbe (bzw früher gab), einen Raucherraum einzurichten.

3. Wenn ich als Staat der Meinung bin, ich möchte etwas steuern, weil ich ein Marktversagen (zu wenige Nicht-Raucherkneipen) annehme, dann kann ich das über positive Anreize machen. Ob direkt über eine unterschiedliche Besteuerung oder indirekt über Aktionskampagnen für mehr Nichtraucherlokale, Zertifikate, Wettbewerbe u.ä.

Gibt es in anderen Bereichen ja auch, angefangen von der unterschiedlichen hohen KFZ-Steuer bis hin zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Gerne auch verbunden mit einem Mindestwert von rauchfreien Kneipenangeboten in einer Region.

4. Warum wird die Energie, die man auf ein absolutes Rauchverbot verwendet, nicht dafür benutzt, mehr Nichtraucherkneipen zu schaffen, wenn es an diesen fehlt? Man kann mit Wirten sprechen. Oder Freunde unterstützen, die Kneipen aufmachen. Oder dem Freundeskreis für Treffen Kneipen vorschlagen, in denen nicht geraucht wird.

5. Dass sowohl http://nichtraucherkneipen.de/ und http://nichtraucherkneipe.de/ von Domaingrabbern besetzt sind ist nicht schön, aber sicher findet man auch andere Namen, um etwas wie http://www.kneipen-suche.com/index.php4?anzeige=37&rauchfrei=1 in schön zu bauen. Ein googlemaps Mashup analog zu WM Kneipen? Anbieter wie Qype bitten, die Nicht-Rauchersuche prominent auf die Seite zu werfen? 

6. Ich bin etwas erschüttert, wie leichtfertig es hingenommen wird, dass eine Minderheit von 23 % der Wahlberechtigten ausreicht, um mit solch einer Volksabstimmung durchzukommen, nur weil man in diesem Fall mit dem Ergebnis zufrieden ist. (In Berlin gibt es wenigstens noch das Mindestquorum von 25 % Zustimmung aller Wahlberechtigten.)

7. Mir gefällt diese Tendenz nicht, in der Sache falsche Dinge schönzureden, nur weil man mit einer Unterstützung dem politischen Gegner eins auswischen kann. Und ein derart massiver Eingriff des Staates ist kaum mit Grünen Grundprinzipien zu vereinbaren.

ggf. tbc.

Interessant ist, dass die Rauchverbotsfrage scheinbar die neue Religionsfrage ist, so verbissen wie da auf beiden Seiten gekämpft wird. So schnell kann man also Werte wie Toleranz und Versuche, gangbaren Alternativen für beide Seiten zu finden über Bord werfen. 

Nachtrag 6.7.: 
Und schon wird das Rauchverbot ein gutes Beispiel, wie man mit der Macht der Zahlen spielen kann - ist doch weithin nur noch von 61 % Wählerzustimmung als Begründung für weitere Maßnahmen die Rede und kaum noch von 23 % der Wahlberechtigten oder von 2,2 Mio von 9,6 Mio. 

Und ein Beispiel, wie schnell Politik auf ein vermeintliches Volksthema reagiert - plötzlich wollen bestimmte Kreise ein bundesweit einheitliches Verbot. Weil ja der Föderalismus ganz klar als ganzes versagt hat "... muss Schluss sein mit dem Flickenteppich von unüberschaubaren und unbefriedigenden Einzelregelungen". 

Und ein Beispiel dafür, wie man mit eigentlich richtigen und selbstverständlichen Forderungen etwas völlig anderes fordern kann wie "Es kann nicht sein, dass Menschen ihre Gesundheit ruinieren müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen", sagte Reimann. "Wir dürfen keine Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse haben", warnte sie. - gut, dass rauchende Kollegen das größte Problem deutscher Arbeitnehmer sind. Und nicht etwa unzeitgemäße Arbeitsbedingungen, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, befristete Verträge etc pp.

Alles zusammengefasst kann man sich z.B. hier bei Spiegel Online in einem Artikel ansehen.

Und in meine Timeline sammeln sich Realtime-Beispiele, wo sich gerade Raucher nicht korrekt verhalten (ich verweise an dieser Stelle auf das nicht ganz neue Phänomen der selektiven Wahrnehmung, sowohl mich, als auch die Beispielsammler) und schiefe Vergleiche, warum das absolute Rauchverbot in aller Gastronomie (und darum geht es) keineswegs unverhältnismäßig sei, weil man ja in anderen Bereichen auch Dinge regulieren würde.
Tags: rauchverbot

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Schweinderl